Kapitalismus in der Krise

Mittwoch, den 29. August 2012

Hamburger Veranstaltungsreihe September - November 2012

 

In Hamburg führt auf Einladung der MASCH ein beachtliches Spektrum linker Organisationen* gemeinsam die Veranstaltungsreihe „Kapitalismus in der Krise“ durch. Als gemeinsame Einschätzung formulieren sie:

Die weltweite Wirtschaftskrise, die sich in immer neuen Erscheinungsformen fortfrisst, geht ins fünfte Jahr. Wenn nicht alles täuscht, sind Dauer, Schwere und Ausweglosigkeit mit der großen Weltwirtschaftskrise von 1929 vergleichbar. Ein Crash dieser Dimension muss weltweit dramatische politische Veränderungen hervorrufen. Das können katastrophale sein, wie sie das Jahrzehnt nach 1929 geprägt haben. Es können aber auch fortschrittliche, emanzipatorische Veränderungen sein, die das Ende des Kapitalismus einläuten.“

 


Zum Ziel der Reihe schreiben sie:

„Wer in einer solchen Situation im Interesse der Lohnabhängigen handeln will, muss den Charakter der Krise, die Zusammenhänge zwischen ihren verschiedenen Erscheinungsformen und die möglichen Folgen verstehen. Dazu soll die Veranstaltungsreihe einen Beitrag leisten. Wir wollen möglichst viele Aspekte des Themas gemeinsam diskutieren und klären. Fortbestehende Unklarheiten und Meinungsverschiedenheiten sollen schonungslos offengelegt werden, damit wir gemeinsam einer Lösung näherkommen.“ Es geht los mit der gemeinsamen Auftaktveranstaltung am 6. September mit Winfried Wolf unter dem Titel „Kapitalismus in der Krise – Plädoyer für eine Revolte“. Zum Programm gehören zwei Veranstaltungen über den Zusammenhang von Krise, Aufrüstung und Krieg mit Karin Leukefeld und Tobias Pflüger; eine gewerkschaftspolitische Veranstaltungen zum Thema Leiharbeit; Prof. Elsner erklärt, „warum der verrottende Kapitalismus Demokratie nicht mehr gebrauchen kann“; Prof. Belina spricht zum Zusammenhang von Krise, Stadtplanung und Wohnungspolitik; Prof. Dieckmann spürt an Hand des marx‘schen Vorworts „Zur Kritik der politischen Ökonomie“ „die historischen Grenzen des Kapitalismus“ auf. Die SDAJ hat einen Vertreter der KNE (Kommunistischer Jugendverband Griechenlands) zu Gast. Er berichtet über den Widerstand der griechischen Jugend gegen die Verelendung und will über den Unterschied zwischen reformistischer, revolutionärer und sektiererischer Strategie im Kampf diskutieren. Guenther Sandleben, Thomasz Konicz und im Rahmen eines Symposiums der Marx Engels Stiftung auch Lucas Zeise, Andreas Wehr und Beate Landefeld sprechen zur ökonomischen Beurteilung der Krisenprozesse. Dabei zeichnet sich ab, dass die unterschiedliche Einschätzung der ReferentInnen zur Rolle und Bedeutung des Finanzsektors im Mittelpunkt der Diskussionen stehen werden. Während Guenther Sandleben, der auf der Veranstaltung der DKP sprechen wird, dem Finanzsektor gegenüber der Krise der Warenproduktion grundsätzlich und aktuell nur eine untergeordnete Rolle zumisst, stimmen Lukas Zeise und Thomasz Konicz darin überein, dass der Finanzsektor in den letzten 30 Jahren das dynamischste Element des Kapitalismus war und die Krise der Warenproduktion zeitweilig überlagert hat. Da hört dann aber die Gemeinsamkeit auf. Lucas Zeise hält einen Ausweg aus der Krise durch eine Zurückdrängung des Finanzsektors für möglich und nötig. Dem gegenüber meint Konicz, dass der Kapitalismus nicht mehr ohne die gigantische Aufblähung des Finanzsektors leben kann, aber mit ihr auch nicht. Die Organisatoren hoffen auf eine erhellende Diskussion dieser strategisch wichtigen Frage. Als weitere Referenten des Symposiums der Marx Engels Stiftung versucht Arnold Schölzel eine Einschätzung des „revolutionären Potentials der aktuellen antikapitalistischen Bewegungen“ und Werner Seppmann untersucht, ob die Arbeiterklasse, „trotz struktureller Veränderungen“ weiterhin „das revolutionäre Subjekt“ ist. Am Ende der Veranstaltungsreihe soll als handlungsorientierter Höhepunkt eine Veranstaltung mit Horst Schmitthenner von verschiedenen gewerkschaftlicher Gremien unter dem Motto: „Arbeitszeitverkürzung jetzt! Trotz und/oder wegen der Krise?“ stehen.

Veranstaltungsübersicht