Arbeitszeitverkürzung – Her mit dem guten Leben

Dienstag, den 11. Juni 2013

Eine Veranstaltung zur 30 Stunden Woche im Hamburger Gewerkschaftshaus

Ein Unterstützerkreis aus Ver.di-Fachgruppen, DGB-Harburg, VKL Honeywell (IG BCE) und der Arbeitsgruppe Betrieb und Gewerkschaft (Die Linke) hatte am 7. Juni unter dem Motto „30 Stundenwoche fordern – Ohne Arbeitszeitverkürzung nie wieder Vollbeschäftigung“ zu einer Veranstaltung in das Hamburger Gewerkschaftshaus eingeladen. Vortragender Gast in dem übervollen Saal, war an diesem Abend Prof. Mohssen Massarat. Der ehemalige Politik und Wirtschaftsprofessor, der seit 2002 dem Wissenschaftlichen Beirat von Attac-Deutschland angehört, ist Mitorganisator eines offenen Briefes, den unter dem oben genannten Motto über 100 Menschen aus Betrieben, Wissenschaft, Gewerkschaften und Kirchen unterschrieben haben.

Die Eingangsfrage von Prof. Massarat war, warum in Deutschland, trotz der wirtschaftlichen Potentiale, keine Reformen zur Abschaffung der Massenarbeitslosigkeit stattfinden. Durch Statistische Manipulationen wird die Zahl der Arbeitslosen zur Rechtfertigung der Agenda 2010 niedrig gerechnet, die Massarat bei ca. 7 Millionen vermutet. Den Beginn der geschichtlichen Entwicklung, die dieser Agenda voraus ging sah Massarat in dem Bruch der SPD/FDP Koalition 1982. CDU und FDP leiteten damals ein anderes Politikmodell ein, das unter anderem von der Flexibilisierung der Arbeitszeit geprägt war. Fortgeführt wurde diese Politik mit dem Scheinargument der „Wettbewerbsfähigkeit“, das dann zu der Agendapolitik von SPD/Grünen geführt hat. Auch den heutigen (selbst produzierten) Fachkräftemangel sieht Masssarat vor dem Hintergrund der Massenerwerbslosigkeit als Scheinargument an.Vor der Situation steigender Gewinne, sinkender Kaufkraft und der gesunkenen Verhandlungsmacht der Gewerkschaften wird die Forderung nach Arbeitszeitverkürzung immer wichtiger. Massarat ging auf verschiedene Modelle der Arbeitszeitverkürzung ein, z.B.: Vier-Tage-Woche, Mehr Urlaub oder Positive Flexibilisierung (Freizeitgestaltung, Pflege von Angehörigen). Auf den Einwand aus dem Publikum, das Arbeitszeitverkürzung auch zu höherer Arbeitsverdichtung führen kann, antwortete Massarat, das diese Situation nur durch eine Gesamtgesellschaftlich geführte Diskussion verhindert werden kann. Diese gesamtgesellschaftliche Diskussion kommt allerdings noch nicht voran. Die Reaktionen der Gewerkschaften auf das Manifest waren (bis auf die GEW) gleich null. Die Gewerkschaften wollen sich zu dem Thema noch nicht engagieren. Hier müssen also noch „dicke Bretter gebohrt“ werden. Als positives Beispiel wurde ein Antrag zur Arbeitszeitverkürzung vorgestellt, der auf der Landesbezirksdelegiertenkonferenz Nord der IG BCE von den Vertrauensleuten der Honeywell GmbH in Glinde gestellt und einstimmig angenommen wurde. Der Antrag erklärt die Verkürzung der Arbeitszeit zum vorrangigen Ziel der Tarifpolitik, der Beschäftigungspolitik und der Humanisierung der Arbeit. Mit anderen Worten: Das gute Leben wird ohne Arbeitszeitverkürzung nicht erreichbar sein.