Volksverdummung

Mittwoch, den 31. Oktober 2012
Das Hamburger Abendblatt übt sich mal wieder in seiner Lieblingsdisziplin: der Volksverdummung. Auf Seite 1 heißt es am 19.10.2012: „Beitragssatz soll sinken. Durchschnittsverdiener sparen mehr als 100 Euro.“ Gemeint ist die Herabsetzung des Beitrags zur Rentenversicherung.


Sieht man genau hin, dann hat der Lohnempfänger 100 Euro mehr im Portemonnaie und 200 Euro weniger auf seinem Rentenkonto, per Saldo also nicht 100 Euro mehr, sondern 100 Euro weniger. Wie das? Tatsächlich fehlen auf dem Rentenkonto nicht nur die 100 Euro des Versicherten, sondern auch die 100 Euro, die der Unternehmer als „Arbeitgeberbeitrag“ auf das Rentenkonto seines Beschäftigten hätte zahlen müssen. Die hat dieser gespart. Da „Lohnnebenkosten“ Lohnkosten sind, bedeutet die Herabsetzung des Beitrags faktisch eine Lohnkürzung. Die Kapitalisten sind begeistert, die Gewerkschaften sind – zu Recht – dagegen. Wie passt im Übrigen die Herabsetzung des Beitrags zur Rentenversicherung zu der sonst beklagten angeblichen Ebbe in den Rentenkassen, die eine Erhöhung des Renteneintrittsaltern und eine permanente Herabsetzung der Rente begründen sollen? Es geht schlicht um die Herabsetzung der Lohnkosten und die Erhöhung des Profits – durchgeführt vom Gesetzgeber, der Regierung und den sie tragenden Parteien.