Erklärung der DIDF zu dem Terroranschlag in Istanbul

Mittwoch, den 13. Januar 2016
IS Terror in Istanbul:
Die Türkei verrennt sich in eine ungewisse Zukunft voller Gewalt

Istanbul war eine Metropole voller Lebensfreude und Vielfalt. Seit Jahren verkommt diese „Perle“ am Bosporus, durch die reaktionäre und rückwärtsgewandte Staatspolitik, zu einer Stadt der Verbote, der Angst und Gewalt.

Am Dienstagmorgen sprengte sich ein Dschihadist im Zentrum des Istanbuler Altstadtviertels Sultanahmet in die Luft. Dieser Anschlag kostete, nach bisherigen Meldungen, zehn Menschen das Leben und 15 wurden verletzt. Unter den Toten befinden sich acht deutsche Touristen, auch unter den Verletzten sind viele aus Deutschland. Unser Beileid und Mitgefühl gilt zunächst einmal den Familien und Angehörigen der Toten und Verletzten.

Wir als DIDF verurteilen diesen Terrorakt aufs Schärfste und fordern die türkische Regierung auf, die Hintermänner dieses Anschlages dingfest zu machen.

Die wichtigste Frage ist jedoch: kann die türkische Regierung das überhaupt schaffen? Die Kooperation der Türkei mit dem IS war keineswegs nur auf das Grenzgebiet zu Syrien begrenzt. Spätestens nach den Razzien der Sondereinsatzkommandos in Großstädten, wie Istanbul, Izmir, Adana, Antep, Mersin etc., wo mehrere IS-Anhänger und AktivistInnen festgenommen wurden, war klar, wie weit die Türkei im Sumpf des zum größtenteils selbst tolerierten und erzeugten dschihadistischen Terrors steckt. Selbst in den Regierungskreisen wird von über 4000 IS- Aktivisten in der Türkei gesprochen. Noch kurz vor den Anschlägen in Paris waren islamistische Kreise in vielen Großstädten offen und offensiv aktiv. Die AKP selbst weigerte sich lange Zeit den IS als eine Terrororganisation zu bezeichnen. Wie denn auch, denn sie selbst hat den IS mit Waffen und Logistik unterstützt.

Das ist der dritte Anschlag in Folge

In Suruc wurden 34 junge Menschen getötet, weil sie sich mit Kobane solidarisierten. In Ankara wurden am 10. Oktober 2015 über 102 Menschen, während einer Kundgebung der Gewerkschaften und weiterer demokratischer Kräfte für den Frieden, getötet. Diese Sprengstoffattacken gingen auf das Konto des IS. Doch in beiden Fällen war die Reaktion der Regierung und der Sicherheitskräfte dermaßen schauderhaft, dass nicht der Terrorakt, sondern die Opfer mit Erklärungen, wie: „Was haben sie auch dort zu suchen“, zu den Schuldigen erklärt wurden. Zumal, nach eigenen Erklärung, die Selbstmordattentäter den Sicherheitskräften bekannt waren, sie aber nicht festgenommen wurden. Auch am Dienstag haben die regierungsnahen Medien Putin, Iran, Assad und die PKK zu den Schuldigen dieses Attentates erklärt.

Diesen schrecklichen Anschlag wird die Türkei wegen dem internationalen Druck nicht so leicht überdecken können. Sie wird vermutlich mehr bieten und „aufklären“. Doch die Tatsache, dass die Türkei, durch die Hand der reaktionären Regierung, zu einem unsicherem Land geworden ist, ist unbestritten. Deutschland und die EU täten gut daran, ihre Türkei-Politik zu überdenken und jegliche Hilfen und Unterstützung ruhen zu lassen, bis sich die Türkei entschieden gegen den IS stellt und aufhört, jegliche demokratischen und friedlichen Forderungen mit Gewalt und Staatsterror im Keim zu ersticken.

DIDF Köln, Bundesvorstand 13.01.2016