Ernst Henning

Samstag, den 30. April 2016

* 22. Oktober 1892 in Magdeburg;

† 14. März 1931 in Hamburg

© DKP-Hamburg

In der Nacht vom 14. auf den 15. März 1931, wurde der Bergedorfer Kommunist und Bürgerschaftsabgeordnete Ernst Henning von den drei Nazis Höcklmeyer, Jansen und Bammel im Bus an der Haltstelle Fünfhausen ermordet. Ernst Henning wurde am 12. Oktober 1892 in Magdeburg geboren. Er war wie sein Vater Sozialdemokrat. Er lernte Former in der Motorenfabrik Jastram. Die Arbeiter von Jastram wählten ihn zum Betriebsratsvorsitzenden. 1917 trat er zur USPD (Unabhängige Sozialdemokratie) und 1919 zur KPD über. 1928 wurde Ernst Henning in die Hamburger Bürgerschaft gewählt. Als Abgeordneter des Hamburger Stadtparlaments setzte er sich insbesondere für die Belange der Gemüsebauern in den Vier- landen und den Marschlanden ein, u.a. für. für die Verstaatlichung der Landschulen, Kredite für Treibhäuser, Hilfe für die Opfer der Hagelkatastrophe (1929), Verbesse- rung der Verkehrsverbindungen. Als am 23. November 1930 eine Sturmflut die Dei- che des Schleusengrabens brach, setzte sich Ernst Henning für unbürokratische Sofortmaßnahmen für die Nettelnburger Siedler ein.

Die KPD hatte auf Flugblättern und Plakaten eine Versammlung im Clubzimmer der Gaststätte Albers in Kirchwerder mit dem Referenten Ernst Henning für den 14. März 1931 angekündigt. Das Thema war: „Die Ausplünderung der Werktätigen in Stadt und Land.“ Ernst Henning und sein Genosse Louis Cahnbley sprachen zu den anwesenden Kleinbauern, Pächtern und Landarbeitern. Vorn in der Gaststube saßen die drei SA-Leute Bammel, Jansen und Höcklmayer. Nach Beendigung der Veranstaltung gegen 23.00 Uhr stiegen Ernst Henning und Louis Cahnbley in den Nachtbus nach Hamburg. Kurz vor der Haltestelle Oortkatenweg hielt einer der Mörder (Jansen) dem Genossen Cahnbley eine Pistole vors Gesicht. Ernst Henning mischte sich ein. Dann krachten ca. ein Dutzend Schüsse. Ernst Henning war sofort tot, Louis Cahnbley fiel zu Boden. Er war an einem Auge verletzt.

 Die drei Mörder feierten ihre Mordtat in einer Gaststät- te in Fünfhausen. Sie gehörten zum SA-Sturm 14 und wohnten im „Schlesischen Hof“, einer Gaststätte in der Nähe des Hauptbahnhofs, als sog. Einsatzkräfte gegen politische Gegner. Sie wurden pro forma aus der NSDAP ausgeschlossen und vor Gericht gestellt. Hitler selbst übernahm den Rechtsschutz. Sie wurden vom Gericht zu sechs und sieben Jahren Gefängnis verurteilt. Schon gleich nach der Machtübertragung wurden sie am 9. März 1933 wieder frei gelassen. Sie machten in der NS-Zeit Karriere.

 An vielen Orten in Norddeutschland kam es zu spontanen Demonstrationen und Protestkundgebungen, die von der Polizei gewaltsam aufgelöst wurden. Aber die KPD ließ sich diese Maßnahmen der Polizei nicht ge- fallen. Sie rief die Bevölkerung mit Flugblättern zum „Massensturm gegen den Mord-Faschismus“ auf.

Zur Einäscherung am 21. März 1931 auf dem Ohlsdorfer Friedhof kam es in der Jarrestadt zu großen Demonstration mit ca. 35.000 Hamburger Arbeitern und Arbeiterinnen. Viele in den Uniformen des „Roten Frontkämpferbundes“ und des Reichsbanners.

 Danach versammelten sich Hunderte von Menschen am Bergedorfer Bahnhof, um den Trauerzug zum Bergedorfer Friedhof zu begleiten.

 

© DKP-Hamburg

Dort hielt der Kommunist Carl Boldt, Mitglied der Bergedorfer Bürgervertretung, die Trauerrede. Den Zug der Trauernden führte die Familie von Ernst Henning an: die Ehefrau Marie, die Töchter Mariechen und Emmi sowie der Sohn Otto.

 Den Grabstein, der noch heute auf dem Friedhof Bergedorf steht, stellte der Kommunist und Steinmetz Walter Matherner her. In Bergedorf ist eine Straße nach Ernst Henning benannt. An dieser liegt auch die Schule Ernst-Henning-Straße. Vor Ernst Hennings letztem Wohnsitz in der Hassestraße liegt zur Erinnerung an ihn ein sogenannter Stolperstein.

Nach Ende des von den Nazis und ihren Sympathisanten aus der Wirtschaft entfesselten Zweiten Weltkriegs gaben die Antifaschisten die Parole aus:

Nie wieder Krieg! Nie wieder Faschismus!

Alfred Dreckmann