DKP-Hamburg nahm Abschied vom Commandante

Mittwoch, den 07. Dezember 2016

Fidel Castro

Vergangenen Sonntag veranstaltete die DKP-Hamburg eine Gedenkfeier für den am 25.11.2016 verstorbenen Fidel Castro. Hier die Rede zum Tode von Fidel:
 
Liebe Freundinnen und Freunde Kubas, liebe Genossinnen und Genossen,

am 25. November starb Fidel Castro Ruz und mit ihm haben wir einen Menschen verloren, dessen ganzes Handeln und Wirken darauf gerichtet war, jeden Zustand zu beenden, in dem der Mensch ein verächtliches, ein gedemütigtes Wesen ist. Ein Mann, Genosse, der niemals akzeptiert hat, dass ein Mensch durch einen anderen ausgebeutet und unterdrückt wird. Ein Mann und Genosse, der mit zu denjenigen gehört, die die Tür aufgestoßen haben, eine Gesellschaft aufzubauen, in der wirklich Menschheitsgeschichte geschrieben werden kann. In der die freie Entwicklung eines jeden, die Grundlage ist für die freie Entwicklung aller. Eine sozialistische Gesellschaft, in der Menschenwürde etwas Konkretes und Materielles ist und soziale Sicherheit, Frieden, Bildung und Entwicklung bedeutet. Fidels Vermächtnis an uns ist, dass wir diesen Weg weiter beschreiten müssen. Er wird uns immer Beispiel sein!

In diesen Momenten sind wir bei seiner Familie, seinen Freundinnen und Freunden, bei unseren Genossinnen und Genossen der Kommunistischen Partei Kubas und den hunderttausenden Kubanerinnen und Kubanern, die um Fidel trauern.

Fidel ist tot und doch wird er weiterleben, in den Köpfen und Herzen von Millionen Menschen auf dieser Welt. Sei es auf dem amerikanischen oder afrikanischen Kontinent, in Europa, Asien oder Australien, in allen Ländern dieser Welt gibt es Menschen, bei denen sein Wirken aufgehoben sein wird.

Fídel war immer ein glühender Internationalist und ein unerschrockener Feind des Imperialismus und des Kolonialismus. Sei es die Unterstützung des Befreiungskampfes in Angola, die kostenlose Freigabe des Impfstoffes gegen Hirnhautentzündung, die Behandlung von Kindern aus Tschernobyl auf Kuba und zwar 1990, zu einer Zeit, in der Kuba schwer zu kämpfen hatte, seine Freundschaft mit Nelson Mandela, seine Reden bei der UNO, … . All das sind praktische Zeugnisse seines Wirkens.

Er hat niemals die Bodenhaftung verloren. Wenn er eine Fabrik oder ein Dorf oder eine Stadt besuchte, interessierte er sich für alles: wie die Arbeitsabläufe waren, wieviel Pausen es gab, das Essen in der Kantine, die Versorgung der Kinder oder woher die zuglieferten Materialien kamen. Er besaß ein ungeheures Vermögen, Details in sich aufzunehmen und aus diesen Details ein ganzes Mosaik, ein Bild zu entwickeln. Und diese Bilder waren Grundlage für die Entwicklung der Politik.

Was Fidel in unglaublicher Weise auszeichnet, war seine Fähigkeit, die Geschehnisse dialektisch zu begreifen. Er war, wie kaum ein anderer, in der Lage, Möglichkeiten zu erkennen, die einer Lage innewohnen. In Situationen, die hoffnungs- und ausweglos erschienen, hat er Wege gefunden und die Kraft und Fähigkeit, sie gemeinsam mit anderen zu beschreiten. Sei es im Gefängnis auf der Isla de Pinos nach dem gescheiterten Angriff auf die Moncada, in der Sierra Maestra, nachdem die meisten der Kämpferinnen und Kämpfer bei der Landung getötet oder gefangen genommen worden waren oder auch nach der Niederlage der sozialistischen Staaten, als Kuba mit einem Schlag 80% seiner Außenhandelspartner verlor und als die kleine Insel wieder einmal und allein dem mächtigsten imperialistischen Staat der Erde – den USA - die Stirn bieten musste.

Fidel wusste, dass er auf der richtigen Seite der Geschichte steht. Auf der Grundlage seiner dialektischen Weltsicht trug er eine Zuversicht in sich, die er auch an andere zu vermitteln wusste. Eine Zuversicht, die gepaart war mit einem ungeheuren Arbeitseifer, einer Belesenheit und Bildung, einer Klugheit und Weitsicht in strategischen und taktischen Fragen und einer Menschlichkeit, die ihresgleichen sucht.

Zu Beginn des Guerillakampfes 1956 war die Rebellenarmee in einer desaströsen Lage. Bei der Landung in den sumpfigen Gebieten ging fast die gesamte Ausrüstung verloren: Lebensmittel, Medikamente und Waffen. Durch Verrat wurden die Revolutionäre von der Batista-armee überrascht und mit Flugzeugen angegriffen. Die Gruppe wurde auseinandergesprengt und nur wenige überlebten. Im Februar 1957 gelang es dann, die versprengten Gruppen wieder zu sammeln und einen Kern von 18 Kämpfern zu bilden. 18 Kämpfer gegen eine ganze Armee! Und Fidel trifft in diesem Moment auf seinen Bruder Rául und er sagt zu ihm: Jetzt werden wir siegen! Und Rául denkt bei sich: jetzt ist er wirklich verrückt geworden!

Aber Fídel behielt Recht! Am 1. Januar 1959 siegte die Rebellenarmee. Der Diktator wurde davon gejagt, seine Armee wurde geschlagen und auch die massive Unterstützung durch die USA haben Batista nicht helfen können.

Fidel hat diese Revolution nicht alleine gemacht, aber er hat sie geprägt. In einer Revolution braucht es immer auch Gewalt, um die brutalen Ausbeutungs- und Unterdrückungsverhältnisse zu beenden und gerade deswegen ist es so wichtig, dass die Kämpfenden in diesen Auseinandersetzungen ihre eigene Menschlichkeit bewahren. Nach der ersten erfolgreichen Schlacht am Río de la Plata, ordnete Fidel an, dass die verbleibenden Medikamente der Rebellenarmee für die verwundeten Gefangenen da gelassen werden. Die Rebellen murrten, wussten sie doch, dass sie selbst für ihren Kampf die Medikamente brauchen werden. Aber Fidel blieb hart. Die Soldaten der Batista Armee waren nun die Gefangenen der Rebellenarmee und ihnen gebührte eine menschliche Behandlung.

Diese Menschlichkeit zeichnet den Sozialismus auf Kuba bis heute aus. In den Kämpfen der Kubanerinnen und Kubaner ist sie gepaart mit dem Bewusstsein und der Klarheit über den zu bekämpfenden Feind und der Klarheit über das Ziel. Und Fídel besaß die Fähigkeit hinter diesem Ziel die größtmögliche Einheit herzustellen.

In seiner Verteidigungsrede von 1953 zitierte Fidel die gleich folgenden Sätze von José Martí und diese Sätze treffen auf ihn selbst zu, wie auf kaum einen anderen.

Ein Mensch, der sich damit abfindet, ungerechten Gesetzen zu gehorchen, der zuläßt, daß man das Land seiner Geburt mit Füßen tritt und mißhandelt, ist kein aufrechter Mensch ... . Auf der Welt muß es ein gewisses Maß an Anstand geben, so wie es auch ein gewisses Maß an Licht geben muß. Und wenn es so viele Menschen ohne Anstand gibt, so gibt es doch auch immer wieder andere, die in sich den Anstand vieler Menschen vereinigen. Das sind die Menschen, die sich mit aller Macht gegen jene erheben, die den Völkern die Freiheit und damit den Menschen die Würde rauben. In diesen Menschen leben Tausende, lebt ein ganzes Volk, lebt die Menschenwürde.“

Viva Fídel! Viva Cuba! Hoch die Internationale Solidarität!