Für den Senat ist Gedenken Luxus

Sonntag, den 04. Februar 2018

Protest gegen die Stadthaus Planung

Die 1981 verstorbene Lucie Suhling beschrieb in Ihren Erinnerungen1 das „Stadthaus“ so: „Der Gedanke daran, die Nacht über in einer Kellerzelle des Stadthauses verbringen zu müssen, war Furchterregend, weil die Gestapoleute ihre gute oder schlechte Laune ungehindert an einem einzelnen abreagieren konnten“.

Bild NN © DKP-Hamburg

 

 

Die Hamburger Kommunisten Carl Burmester, Herbert Baade, Gustav Schönherr, Hugo Dworznik und Etkar André sollen hier stellvertretend genannt werden für alle Antifaschistinnen und Antifaschisten, die im Stadthaus gefoltert worden oder zu Tode kamen.

Ein luxuriöses Einkaufsquartier, mit einer kleinen „Erinnerungsecke“ wie es die Immobilienfirma Quantum plant, die das Gebäude 2009 vom Hamburger Senat gekauft hat, hat einen breiten Widerstand hervorgerufen.

Am 30. Januar 2018 Versammelten sich viele Hamburger*innen zu einer Kundgebung vor dem Gebäude an der Stadthausbrücke, um sich für einen angemessenen Ort der Erinnerung an den Widerstand und die Verfolgung in Hamburg einzusetzen. Die Kundgebungsteilnehmer*innen waren sich einig – Konsum statt Gedenken? Niemals!. Pastor Ullrich Hentschel forderte “Jeder, der in dieses Haus geht, soll wissen was hier geschehen ist“, und nach Meinung des ehemaligen Polizeipräsidenten Wolfgang Kopitsch (SPD), solle das Stadthaus zu einer zentralen Hamburger Gedenkstätte für die NS-Zeit werden.

Von 1933-1943 (da wurde es ausgebombt) befand sich hier im Stadthaus-Hamburg, das Gestapo-Hauptquartier, eine Zentrale des Terrors und der Gewalt. Aber die Bedeutung dieser Zentrale ging weit über Hamburg hinaus. Von Hier aus wurde der Kriegseinsatz Hamburger Polizisten in Polen und der Sowjetunion organisiert.

Seit 1984 erinnert eine Gedenktafel im Eingang des Gebäudes an die Opfer, und vor dem Gebäude sind Stolpersteine im Gehweg verlegt. Aber das alles ersetzt keinen würdigen Gedenkort der den Leiden der Opfer und der Angehörigen gerecht wird. Und schon gar nicht kann man das Gedenken einer Immobilienfirma überlassen. Die Erinnerung – so die Initiative Gedenkort Stadthaus – an und Auseinandersetzung mit dem Faschismus ist eine gesellschaftliche Aufgabe und gehört in den öffentlichen Raum.

 

 

 

Quellen:

 

1) Lucie Suhling / Der unbekannte Widerstand - Erinnerungen (Agimos-Verlag Kiel 1998)

 

2) Herbert Diercks / Dokumentation Stadthaus - Die Hamburger Polizei im Nationalsozialismus

 

Herausgegeben von der KZ-Gedenkstätte Neuengamme 2012