Gedenken I

Montag, den 25. März 2013


Gedenkveranstaltung der Bezirksversammlung Wandsbek

Die vergessenen Opfer im ehemaligen Arbeitshaus Farmsen

Sie wurden zwangssterilisiert, kastriert oder es wurden Zwangsabtreibungen an ihnen vorgenommen. In Hamburg waren zwischen 1933 und 1945 etwa 24.000 Menschen von dieser, wie die Nazis es nannten, „Wohlfahrtspflege“ betroffen. Bestandteil dieses unmenschlichen Systems war das ehemalige Versorgungsheim Farmsen.

An diesen dunklen Teil der Geschichte in Wandsbek, erinnerte eine Gedenkveranstaltung der Bezirksversammlung Wandsbek am 27. Januar 2013 am historischen Ort, im ehemaligen Versorgungsheim Farmsen (heute ist dort Pflegen und Wohnen in Farmsen beheimatet).

Der Vorsitzende der Bezirksversammlung Wandsbek, Hans-Joachim Klier erinnerte in seinem Grußwort, an die „Euthanasie“-Opfer , die am 23. September 1940 aus ganz Norddeutschland nach Brandenburg deportiert und ermordet wurden. Von den deportierten Opfern des Versorgungsheimes Farmsen sind nur 11 Bewohner namentlich bekannt, Ihre Namen wurden zum Gedenken auf der Veranstaltung verlesen. Auch erwähnte Klier die mangelnde Bereitschaft zur Aufarbeitung des in Farmsen geschehenen Unrechtes nach dem Krieg.

In dem Flyer der Bezirksversammlung heißt es zur Geschichte: „Vollzog sich die Geschichte des Versorgungsheimes Farmsen zunächst auf den Gedanken der Rehabilitation, trat diese Zielsetzung im Zuge der fortschreitenden Wirtschaftskrise nach dem Ersten Weltkrieg zusehends zurück..........Nicht erst in der Folge der wirtschaftlichen Krise setzte sich der Gedanke mehr und mehr durch, ein Mensch sei so viel wert, wie er kosten darf“.

Einen Kurzfilm zur Geschichte des Versorgungsheimes stellten Schüler der Erich Kästner Schule vor. In dem anschließenden Vortrag „Was hat Hamburg nur mit Euch Frauen gemacht“, ging Frau Dr. Rothmaler mit vielen Beispielen auf die Situation der Frauen in den Anstalten in Hamburg ein, die von Disziplinierung durch Arbeit, Entmündigung und Zwangssterilisierung geprägt war. Im Anschluss wurden dann am alten Wasserturm, Blumengestecke niedergelegt.

1985 veranstaltete die Antifaschistische Initiative Wandsbek, zahlreiche antifaschistische Stadtrundfahrten (auch zum Versorgungsheim Farmsen). Diese Rundfahrten blieben von der Öffentlichkeit weitgehend unbeachtet. Um so positiver ist die Thematisierung dieser Geschichte heute von der Bezirksversammlung zu werten.