Hindenburg und Hitler Machtübertragung

Montag, den 21. Januar 2013

Um sich zu erinnern, wie der deutsche Faschismus an die Macht kam, müssen wir bis weit vor den 30. Januar 1933 zurückgehen.
Spätestens der 26. Januar 1932 war ein entscheidendes Datum für die Machtübertragung an die Faschisten. Im Industrieclub in Düsseldorf trafen sich an diesem Tage NSFührung und Industrie zu einem Treffen, bei dem Weichen gestellt wurden.

 

Der Präsident des Industrieklubs, einer Vereinigung von Großindustriellen, war damals Jost Henkel, der Persil Boss.
Er hat Hitler zu diesem Tag zu einem Vortrag in den Industrieclub eingeladen. Die Industriellen wollten Hitlers Programm kennen lernen. Hitler kam gerne und brachte Hermann Göring und den damaligen Führer der Terrortruppe SA, Ernst Röhm, mit.

 

Im Industrie Club waren annähernd 650 Industrielle und Bankiers versammelt. Der Oberbürgermeister von Düsseldorf, Dr. Robert Lehr, begrüßte Hitler. Derselbe Robert Lehr wurde nach dem Krieg in der Regierung Adenauer Innenminister. Hitler legte in einer Rede seine Konzeption vor. Er versprach, den Marxismus auszurotten, die Gewerkschaften zu zerschlagen, die Demokratie abzuschaffen: "Ich sehe zwei Prinzipien, die sich schroff gegenüberstehen: Das Prinzip der Demokratie, das überall, wo es sich praktisch auswirkt, das Prinzip der Zerstörung ist. Und das Prinzip der Autorität der Persönlichkeit, das ich als dasLeistungsprinzip bezeichnen möchte."
Bedroht werde dieses Leistungsprinzip vor allem durch die Arbeiterbewegung. "Wenn wir nicht wären, gäbe es schon heute in Deutschland kein Bürgertum mehr", biederte Hitler sich an. Hitler versprach, die Reichswehr auszubauen, aufzurüsten und "Lebensraum im Osten" zu erobern. Die Armee gelte es zum Vorbild im "Machtstaat" zu machen, die Wirtschaft allein könne Deutschland nicht zum führenden europäischen Exporteur machen. Da bedürfe es der Armee, siemüsse "unter Aufrechterhaltung des absolut antidemokratischen Grundsatzes unbedingter Autorität" gestärkt werden. Das "Führungsprinzip der Wirtschaft" sei in keiner politischen Organisation außer der NSDAP verwirklicht.

Gern hörten die Industriellen auch Hitlers Herrenmenschenthesen an: "Die weiße Rasse kann (...) ihre Stellung nur dann praktisch aufrechterhalten, wenn die Verschiedenartigkeit der Lebensstandards in der Welt aufrecht erhalten bleibt." Es sollte die Möglichkeit, billigste Rohstoffe zu erlangen, erhalten bleiben und die Ausplünderung der abhängig gehaltenen Länder fortbestehen, was ja in heutigen Globalisierungszeiten recht aktuell klingt. Industrielle und Bankiers dankten, wie Presse und Augenzeugen berichteten, mit lang anhaltendem Dauerbeifall. Über die "sozialistischen" Phrasen der NSDAP sahen sie hinweg, die waren für die Massen, nicht für Eliten bestimmt. Die "Herrenmenschentheorie" Hitlers sagte ihnen zu heute sagen sie vornehm "Werte der westlichen Zivilisation" dazu. Nicht erst seit jetzt, aber nun noch reichlicher flossen riesige Spenden der Banker und Industriellen an die Nazipartei.

 

Nach dem Vortrag Hitlers vor den Industriellen im Industrieclub war die Angelegenheit noch nicht beendet. Am nächsten Tag, am 27. Januar 1932, traf sich Hitler auf Schloss Landsberg, das dem Großindustriellen Fritz Thyssen gehörte, mit eben diesem Thyssen und dem Großindustriellen Ernst Poensgen, Vereinigte Stahlwerke. Hier wurde konkret über die Finanzierung der Nazipartei gesprochen. Fritz Thyssen, schon lange Großspender für Hitlers Bewegung, hat die Finanzierung später in seinem Buch "I paid Hitler" (Ich bezahlte Hitler) geschildert. Die Nazis zeigten sich später auch gegenüber dem Großindustriellen Poensgen dankbar. Er wurde ebenfalls Wehrwirtschaftsführer.

 

Erinnert sei weiter an die Eingaben von Industriellen beim Reichspräsidenten Paul von Hindenburg mit der Forderung, Hitler an die Macht zu lassen, denn sein Einfluss bei Wahlen hatte den Zenit überschritten. Hindenburg war der Mann der reaktionärsten Militärs, die vielfach ebenfalls für die Machtübertragung an die Faschisten wirkten.
Am 30. Januar 1933 wurde dann der Führer der Nazipartei an die Macht geschoben.

 

(Jupp Angenfort)
Soweit Jupp Angenfort in einem Artikel in der UZ am 26. Januar 2007

 

In Wikipedia ist dann zu lesen:
Die Nationalsozialisten feierten am 30. Januar den Tag der nationalen Erhebung als Beginn ihrer Machtübernahme. An diesem Tag im Jahre 1933 wurde Adolf Hitler von Reichspräsident Paul von Hindenburg als Reichskanzler vereidigt und mit der Bildung einer Koalitionsregierung des Nationalen Zusammenschlusses, in welcher die Nationalsozialisten in der Minderzahl waren, beauftragt.

 

Berlin 30.
Januar 1933 12:40 Uhr: Nach seiner Ernennung zum Reichskanzler verlässt Adolf Hitler im Auto die Reichskanzlei.

 

(wikipedia)