Samstag, den 24. Juni 2017   

Montag, den 03. März 2014
Kategorie: Marx+co

Wäre es denkbar, dass die Theorie des „Totalitarismus“ ihre vorherrschende Rolle im Mainstream – Diskurs verlieren und durch eine noch plumper antikommunistische Sichtweise abgelöst werden könnte?

Um eventuell neue Tendenzen einzuordnen, ist ein etwas längerer Rückblick auf die Geschichte und Vorgeschichte der Totalitarismus – Theorie nötig.

Während des Zweiten Weltkriegs blickten die Völker der Welt voll Entsetzen auf die faschistische Gefahr, die auf dem Weg schien, die Menschheit zu überrollen und ihrer schrankenlosen Barbarei zu unterwerfen.

Sechs Jahre lang hatten sie erlebt, wie die Regierungen der bürgerlichen Demokratien sich als unfähig und unwillig erwiesen, der wachsenden Stärke und Aggressivität des Faschismus eine Grenze zu setzen. Stattdessen erlaubten sie, dass er mit ihrer Unterstützung ihre möglichen Verbündeten ausschaltete und unterwarf, Österreich, die Spanische Republik und die Tschechoslowakei. Und selbst nach dem Überfall auf Polen erklärten Frankreich und Großbritannien zwar den Krieg, führten ihn aber trotz anfänglicher militärischer Überlegenheit nicht ernsthaft. Diese verräterische Politik beruhte auf der Hoffnung, dass die Faschisten sie selbst nicht angreifen würden, sondern sich gegen die Sowjetunion wenden, den eigentlichen Hauptfeind der westlichen Regierungen (wie auch der Faschisten). Ein Bündnis mit der Sowjetunion gegen die Faschisten haben die westlichen Regierungen aus dieser Strategie von Anfang an hintertrieben.

Diese hinterhältige Politik durchkreuzte die Sowjetunion durch den Nicht-Angriffsvertrag mit Hitlerdeutschland und gewann dadurch zwei Jahre Zeit und eine Westverschiebung ihrer Grenze, um sich auf den unvermeidlichen Angriff der Faschisten besser vorzubereiten.

In dieser Zeit gelang es Hitlerdeutschland, sich mit Ausnahme der Sowjetunion ganz Kontinentaleuropa in „Blitzkriegen“ zu unterwerfen.

Mittwoch, den 08. Mai 2013
Kategorie: Marx+co

von Jürgen Hasselbach

Die Weltwirtschaftskrise geht in ihr fünftes Jahr. In Deutschland wird sie von Politik und bürgerlichen Medien inzwischen "Schuldenkrise" genannt. An "zu hohen Staatsschulden" soll es liegen, dass ganze Regionen Europas bankrottgehen und selbst Euro-Staaten die Insolvenz droht. Diese Analyse ist freilich verlogen. Zu hoch sind Staatsschulden ja nur dort, wo die nationale Ökonomie dieser Staaten nicht genügend wächst. Die im Euro-Raum beklagte "Wachstumsschwäche" resultiert ja nicht aus den Staatsschulden, sondern umgekehrt hat die Staatsverschuldung ihre Ursachen ganz wesentlich darin, dass das Wachstum des Kapitals schon seit einiger Zeit stockt.

Tatsächlich kümmert sich die Diagnose "Schuldenkrise" gar nicht um die Ursachen und Gründe der Weltwirtschaftskrise. Die Krise ist für die bürgerlichen Akteure ein nicht zu hinterfragender Sachzwang der vor allem eins notwendig macht: die Sanierung der Staatshaushalte auf Kosten der Menschen, die von Löhnen und Sozialleistungen leben müssen und die angeblich, vor allem in Griechenland und anderen südeuropäischen Staaten, über ihre Verhältnisse gelebt haben.

Montag, den 05. November 2012
Kategorie: Marx+co

"Ich bin kein Knecht des Kapitals", wird der designierte Kanzlerkandidat der SPD vom SPIEGEL zitiert. Hat ihn jemand so genannt? Oder ist ihm selbst der Gedanke gekommen, seine fürstlich honorierten Vorträge bei Unternehmen, Banken und Versicherungen könnten dieses nahelegen? Jedenfalls haben seine in die Hunderttausende von Euros gehenden Honorare eine lebhafte Diskussion über die „Nebeneinkünfte“ von Politikern ausgelöst.

Dazu hat der kommunistische Revolutionär W. I. Lenin schon 1917 alles Wesentliche gesagt. In seiner in der Illegalität geschriebenen Schrift „Staat und Revolution“ *) beschreibt er, wie das Kapital in der bürgerlichen Demokratie seine Herrschaft ausübt. Die genannten russischen Politiker sind Mitglieder der damaligen provisorischen (bürgerlichen) Regierung und der sie tragenden Parteien:

In der demokratischen Republik, fährt Engels fort, "übt der Reichtum seine Macht indirekt, aber umso sicherer aus", und zwar erstens durch seine "direkte Beamtenkorruption" (Amerika) und zweitens durch die "Allianz von Regierung und Börse" (Frankreich und Amerika). Heute haben Imperialismus und Herrschaft der Banken diese beiden Methoden, die Allmacht des Reichtums in jeder beliebigen demokratischen Republik zu behaupten und auszuüben, zu einer außergewöhnlichen Kunst "entwickelt". Wenn beispielsweise schon in den ersten Monaten der demokratischen Republik in Rußland, sozusagen im Honigmond des Ehebundes der "Sozialisten" - der Sozialrevolutionäre und der Menschewiki - mit der Bourgeoisie, Herr Paltschinski in der Koalitionsregierung alle Maßnahmen zur Zügelung der Kapitalisten und ihrer Raubgier, ihrer Plünderung der Staatskasse durch Heereslieferungen, sabotierte, wenn dann der aus dem Ministerium ausgetretene Herr Paltschinski (der natürlich durch einen anderen, ebensolchen Paltschinski ersetzt worden ist) von den Kapitalisten durch ein Pöstchen mit einem Gehalt von 120.000 Rubel jährlich "belohnt" wurde - wie nennt man das dann? Direkte Korruption oder indirekte? Allianz der Regierung mit den Syndikaten oder "nur" freundschaftliche Beziehungen? Welche Rolle spielen die Tschernow und Zereteli, die Awksentjew und Skobelew? Sind sie "direkte" Bundesgenossen der Millionäre, die den Staat bestehlen, oder nur indirekte? Die Allmacht des "Reichtums" ist in der demokratischen Republik deshalb sicherer, weil sie nicht von einzelnen Mängeln des politischen Mechanismus, von einer schlechten politischen Hülle des Kapitalismus abhängig ist. Die demokratische Republik ist die denkbar beste politische Hülle des Kapitalismus, und daher begründet das Kapital, nachdem es (durch die Paltschinski, Tschernow, Zereteli und Co.) von dieser besten Hülle Besitz ergriffen hat, seine Macht derart zuverlässig, derart sicher, daß kein Wechsel, weder der Personen noch der Institutionen noch der Parteien der bürgerlich-demokratischen Republik, diese Macht erschüttern kann. *) W. I. Lenin, Staat und Revolution, (LAIKA Verlag) Hamburg 2012, Seite 43 f


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